Lauberhornrennen im Sommer

Tagesberichte

Montag, 18. September 2006
Heute regnete es in einem fort. Beinahe hätten wir nach den Jasskarten gegriffen.


Tagesfoto
Sonntag, 17. September 2006
An einem durch und durch verregneten Tag erholte sich das deutlich geschrumpfte Team von den Strapazen der vergangenen Woche bei einem Besuch im Solebad. Wehmut machte sich breit, nachdem die Gäste und das Leistenlegerteam verabschiedet sind. Frau Schleuniger wird ihre Erkenntnisse beim Aufbau der Ideallinie in ihren Handarbeitsunterricht der kommenden Woche einfliessen lassen können. Köchli & Messerli halten sich bereit, um beim Abbau der Installation Mitte kommender Woche erneut zu beweisen, dass auch Künstler zu effizientem und speditivem Arbeiten in der Lage sind. Die Hiergebeliebenen hoffen auf eine deutliche Wetterbesserung, um in den kommenden Tagen die Aufnahmen für den Abfahrtsfilm entlang der Leistenspur und die Stereoskopiefotos derselben zu erstellen.

Tagesfoto
Samstag, 16. September 2006
Vom heutigen Tag gibt es naturgemäss besonders viel zu berichten. Höhepunkt aus Sicht des Autors dieser Zeilen war sicherlich der Helikopterflug entlang der Leistenspur zur Gewinnung von Film- und Fotomaterial. Herr Braunstein hingegen verbrachte den Flug mit der Kamera auf dem Schoss beinahe schon ausserhalb der Kabine auf den Kufen sitzend. Er behält als Erinnerung an dieses Ereignis ein hoffentlich nur vorrübergehendes Pfeifen im linken Ohr, nachdem ihm der Wind wiederholt den Ohrschutz vom Kopf geblasen hatte. Für alle Anderen war das Ereignis des Tages natürlich die Fahrt mit den Jungfraubahnen und der Seilbahn hoch zum Starthaus am Lauberhorn und der dortigen Eröffnung der Installation von Daniel Zimmermann mit den Protagonisten Eiger, Mönch, Jungfrau, Gertsch, Triet, Aigner, Huber und Griesebner, die zum Teil aus befreundeten Gebirgsregionen um Salzburg, Wien, Linz und Basel angereist waren, um jeweils einige treffende Worte zu Zimmermanns Kunst zu sagen. In einer famosen Kurzperformance zeigten Pina, Bögli & Köchli, dass auch Branchenfremde bei der Konzentration auf den bevorstehenden Abfahrtslauf in hautengen Skianzügen eine vortreffliche Figur abgeben können. Ein rasant geschnittener Kurzfilm über das Entstehen der Ideallinie mittels Holzeisten während der vergangenen Woche machte Appetit auf die eigenhändige Inaugenscheinnahme der Installation. Beim anschliessenden Essen in der Startbar bei Beni erfreuten sich die geladenen Gäste an einer guten Portion Älplermakronen, die wiederum für das Leistenlegerteam eine willkommene Abwechslung bot nach einer Woche mit 4-Gänge-Menüs im Hotel Regina. Danach ging es für die meisten zu Fuss bergab entlang der Ideallinie mit grossartigen Ansichten sowohl der Kunstinstallation als auch der Berge. Ganz verwegene im Team nutzten gleich die Gelegenheit, um im Speichersee beim Russisprung die Kaltwasserbadesaison zu eröffnen.

Tagesfoto
Freitag, 15. September 2006
Heute gibt es nur wenige aktuelle Bilder. Der Fotograf war selbst im Gipfelteam und den ganzen Tag ausschliesslich am Versichern der Leistenspur beteiligt. Wir fanden am Gipfel übrigens weder Kreuz noch Buch, dafür freundlicherweise einen heissen Kaffee in der Starthausbar bei Beni. Seine Verlautbarungen waren von höchstem Unterhaltungswert, erhellend wie erheiternd gleichermassen. Für eine Veröffentlichung in Schriftform sind sie allerdings eher minder geeignet. Wir empfehlen daher einen Besuch in seiner Bar in einem ruhigen Moment. Bei widrigsten Bedingungen arbeiteten wir uns hangab und setzten zahlreiche neue Haken. Wind, Sonne und Regen folgtem in wildem Wechsel. Dabei bewährte sich die eher atmunspassive Coop-Einkaufstüte als Kopfbedeckung von Frau Hosch. Auch die anderen 3er-Teams hatten alle Hände voll zu tun, denn die Kühe zeigen weiterhin nachhaltiges Interesse an den Holzleisten, was intensive tägliche Reparaturarbeiten erfordert und uns bis zum Schluss auf Trab hält. Das Wetter verspricht nun doch ganz gut zu werden, sodass wir uns alle auf eine schöne Vernissage in grossartiger Szenerie freuen können.

Tagesfoto
Donnerstag, 14. September 2006
Die Kühe beschäftigen sich nach änfänglichem Zögern nun doch eingehender mit den Holzleisten auf ihrer Weide. Sie machen mittlerweile umfassende eigene Gestaltungsvorschläge, sodass sich die Ideallinie über weite Strecken nur noch erahnen lässt. Oberhalb vom Hundschopf tat der Föneinbruch ein Übriges, sodass am morgigen letzten Tag vor der Vernissage fast die gesamte Route neu versichert werden muss. Wir werden dazu in aller Frühe in Dreierteams zum Gipfel aufbrechen und dann beim Abstieg wo immer nötig Haken einschlagen. So hoffen wir noch vor Einbruch der Dunkelheit wieder wohlbehalten im Basislager anzukommen.

Tagesfoto
Mittwoch, 13. September 2006
Entwarnung. Die Kühe haben sich intern darauf geeinigt, die Leistenspur, die ihre Weide kreuzt, kurzerhand zu ignorieren. Ein Ziegenbock fühlt sich dagegen berufen, dasselbe Territorium gegen alle medialen Einflüsse zu verteidigen. Herr Braunstein bekam das zu spüren, als er in einer Langzeitaufnahme den Einbruch der Nacht über der Leistenspur filmen wollte. Der Ziegenbock näherte sich in durchaus feindlicher Absicht und tat das durch wiederholtes Schlecken am nachweislich ungesalzenen Stativ kund, was die Aufnahme zum Verwackeln brachte. Auch das heftige Wedeln mit seiner roten Faserpelzjacke durch unseren Kameramann konnte ihn nicht von seinem Vorhaben abbringen. Das aufgrund verschiedener Mehrfachbelastungen deutlich dezimierte Leistenlegerteam steigerte sich am Nachmittag in einen wahren Temporausch, sodass die Spur bis morgen fertig werden sollte. Die Kraft für diese Energieleistungen schöpfen Bögli&Köchli bei ausgedehnten nächtlichen sogenannten Besprechungen auf ihrem Balkon im 5. Stock, bei denen vermutlich auch orientalische Rauchwaren zum Einsatz kommen.
Beim Abendessen waren diesmal selbst unsere stärksten Mitarbeiter von der schieren Menge des durchaus leckeren Lammhaxens überfordert. Auch Herr Huber hatte keine freien Kapazitäten mehr.

Tagesfoto
Dienstag, 12. September 2006
Die Leistenbünde wurden vor unserer Ankunft mit dem Helikopter entlang der Strecke verteilt. Am gestrigen Abend wurde eine noch vorhandene Lücke oberhalb vom Hundschopf geschlossen. Dabei kam es offenbar zu einer Verwechslung der Zielorte, sodass nun einige Bünde weiter hoch, andere aber ein paar hundert Meter nach unten transportiert werden müssen. Auf der Schulter. Damit hat sich das Bild vom effizienten Ameisenstaat erledigt. Und wir sind es auch. Aber nur kurz. Dann arbeiten wir uns entlang der Ideallinie weiter voran über einige sumpfige Flecken. Auf einer Weide voller Kühe ist dann gegen Abend erstmal Schluss. Probehalber legen wir eine Spur von einigen Metern Länge, um über die Nacht zu erfahren, welche Haltung die Rinder gegenüber dem unerwarteten Kunsteinbruch auf ihrer Weide einzunehmen gedenken.
Am späten Abend erklärt sich Herr Huber gerne bereit, für zwei weitere Teammitglieder in die Bresche zu springen, die vor dem Dessert kapitulieren.

Tagesfoto
Montag, 11. September 2006
Heute sind wir erstmals alle gemeinsam auf der Rennstrecke. Vom Produktionsleiter wurden wir stilgerecht eingekleidet in schwarze T-shirts und rote Faserpelzjacken. Mit den Leistenbünden auf der Schulter gleichen wir darin einem Kleinstaat roter Waldameisen beim Nestbau. Bei wunderbarem Wetter geniessen wir das phantastische Panorama und treiben unsere Leistenspur dennoch zügig voran bis kurz oberhalb vom Hundschopf.
Als letzter ist nun auch Andreas Hagenbach zum Team gestossen. Seither generieren wir beim gemeinsamen Abendessen einige zusätzliche Dezibel, wenn jemand versehentlich eine humorige Bemerkung macht.


Sonntag, 10. September 2006

Der erste Abend mit dem gesamten Team im Hotel. Unsere verschwitzten Füsse in Wanderschuhen verschämt unter den riesigen ovalen Tisch im Restaurant des Hotels Regina streckend, arbeiten wir uns durch vier Sätze Silberbesteck und die dazugehörenden Leckereien. Dabei schwankt unsere Herangehensweise ans exquisite Essen zwischen der kennerischen Analyse jeder einzelnen Nahrungsfaser (Herr Messerli, von Hause aus Koch) und der eher sportlichen Betrachtung eines solchen Unterfangens unter dem Gesichtspunkt der Zeitoptimierung. So wird einerseits diskutiert, ob nun die schon fast physikalisch zu nennende orale Sensation der groben Passionsfruchtkerne einer geniesserischen Wahrnehmung der Weichheit des gleichzeitig dargebotenen Thunfischfleisches im Wege stehen oder aber diese gerade erst vollumfänglich ermöglichen. Andererseits unterbieten wir das Zeitlimit des Essens am Abend zuvor um volle 28 Minuten und 43 Sekunden.
Eine Ewigkeit, wenn man gewohnt ist in Hundertsteln zu denken.